Der
Grundstein für das Neue Schloss wurde am 21. Mai 1878 gelegt.
Um die
Arbeiten während der Bauphase besichtigen zu können,
hielt sich der
König in unregelmäßigen Abständen
im Alten Schloss Herrenchiemsee auf,
dort ließ er sich für diesen Zweck eine kleine
Wohnung einrichten. Nach
einem ersten Besuch der Insel im Jahr 1875 kehrte er
anlässlich der
Übergabe des soeben vollendeten Prunkschlafzimmers 1881
zurück und
verbrachte von da an bis 1885 jeweils im Herbst eines Jahres einige
Tage auf Herrenchiemsee.
Der sogenannte
Sonnenkönig
Ludwig XIV., der Bauherr des Versailler Schlosses, war das
große Idol
des bayerischen Königs.
So wie die „Ritterburg“ Schloss Neuschwanstein
eine Reminiszenz
an die Welt des Mittelalters und die Werke Richard Wagners
darstellte, war das Neue Schloss Herrenchiemsee als Denkmal
für die
französischen Bourbonenkönige gedacht. Beide
Schlösser standen im
Verständnis des Königs symbolisch für das
von ihm verklärte
Gottesgnadentum
die uneingeschränkte und durch den christlichen Gott
legitimierte Herrschergewalt, über die Ludwig II. als
Staatsoberhaupt
einer Konstitutionellen
Monarchie nicht verfügte.
Ähnlich wie schon
Neuschwanstein
einige Jahre zuvor, sollte auch Schloss Herrenchiemsee weder als
Regierungssitz dienen, noch einen Hofstaat aufnehmen. Es war
trotz seiner Größe lediglich als private Residenz
des zurückgezogen
lebenden Königs geplant, der sich zumeist nur von wenigen
Bediensteten
versorgen und die Regierungsarbeit weitgehend durch seine
Hofsekretäre
erledigen ließ. Damit stand das neue Schloss auf der
Herreninsel im
Kontrast zum Vorbild, dem von mehreren tausend Menschen bewohnten
Versailles, in dem es keine Privatsphäre gab und das
über einen
Zeitraum von mehr als 100 Jahren das gesellschaftliche, kulturelle und
politische Zentrum Frankreichs bildete.
Der frühe
Tod
Ludwigs II. im Sommer 1886 verhinderte, dass er den mit enormem Aufwand
errichteten Palast dauerhaft nutzen konnte. Schloss
Herrenchiemsee war das kostspieligste der Schlösser Ludwigs
II., der
seine Bauten mit seinem Privatvermögen, den Einnahmen aus
seiner
Zivilliste Kaiserbrief Subsidien
und letztlich auch mit zahlreichen Krediten finanzierte. Die
Kostenvoranschläge für das Schloss beliefen sich
ursprünglich auf 5,7
Millionen Mark,
doch wuchsen die Ausgaben bis zum Tode des Königs nahezu auf
das
Dreifache, nämlich auf 16,6 Millionen Mark an. Damit
war
Herrenchiemsee
teurer als Linderhof und Neuschwanstein zusammen, für die
insgesamt
rund 6,7 Millionen veranschlagt und schließlich 14,7
Millionen Mark
ausgegeben wurden. Allein die Kosten für das Prunkschlafzimmer
beliefen
sich auf 384.000 Gulden und in
den Innenräumen sind mehr als 4,5 Kilogramm Blattgold
verarbeitet.
Schloss
Herrenchiemsee ist ganzjährig geöffnet. Die unter
Ludwig II.
eingerichteten Zimmerfluchten können im Rahmen von
regelmäßigen
Führungen besichtigt werden. Mehrere der unvollendeten
Räume des
Südflügels beherbergen seit 1987 ein König
Ludwig II. gewidmetes
Museum, das sich in zwei Themenkreisen mit dem Leben des
Königs und
seinen Bauwerken befasst.
Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist das mit
Originalteilen
rekonstruierte erste Schlafzimmer des Königs aus Schloss
Linderhof, das
dort zugunsten des späteren größeren
Schlafzimmers 1884 ausgebaut
wurde.
Schloss Herrenchiemsee ist außerdem alljährlicher
Veranstaltungsort der
Herrenchiemsee-Festspiele im großen Spiegelsaal.
Die
Herreninsel ist ausschließlich auf dem Wasserweg erreichbar,
die
Anlegestelle am Alten Schloss wird von Fahrgastschiffen aus Prien
am Chiemsee angefahren.
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Copyright
der Fotos by Ottmar Weniger
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