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GEDENKFEIER ZUM HUNDERTSTEN JAHRESTAG DES ENDES DES ERSTEN WELTKRIEGES

ERKLAERUNG VON H.E. HERRN MIROSLAV LAJČÁK, PRAESIDENT DER 72. TAGUNG DER UN-GENERALVERSAMMLUNG, BEI DER GEDENKFEIER ZUM HUNDERTSTEN JAHRESTAG DES ENDE DES ERSTEN WELTKRIEGES

Vor 100 Jahren war die ganze Welt schockiert. Geschlagen von einem globalen Krieg. In völligem Unglauben an das, was die Menschheit tun konnte. Millionen von Menschen wurden getötet. Soldaten und unschuldige Zivilisten. Tot durch Kugeln oder Verhungern. Dieser Bericht ist umso beschämender, als zum ersten Mal in großem Maßstab chemische Waffen eingesetzt wurden.

Millionen waren da. In Gräben. Auf Schlachtfeldern. Aber es gibt niemanden mehr, der seine oder ihre Geschichte erzählen kann. Der letzte lebende Veteran ist vor 6 Jahren gestorben. Wir haben keine andere Wahl, als uns auf die Geschichte zu verlassen. Zeugenaussagen. Persönliche Konten in Notizen, Büchern oder Postkarten. In Gedichten oder Musik. In Archiven und Lehrbüchern.

Und wir müssen sie alle für zukünftige Generationen erhalten. Wir müssen unsere Kinder über die Schrecken dieses Krieges unterrichten. Und wir hier – bei den Vereinten Nationen – müssen dabei eine der lautesten Stimmen sein. Dabei müssen wir glaubwürdig sein. Was bedeutet, dass jeder außerhalb dieses Gebäudes uns glauben muss. Was im Wesentlichen bedeutet, dass wir sie überzeugen müssen, dass wir unsere Lektionen gelernt haben. Warum der Erste Weltkrieg begann? Warum hat es 4 Jahre, 3 Monate und 2 Wochen gedauert, um es zu beenden? Und vor allem, warum konnten wir nicht verhindern, was 21 Jahre später geschah?

Die erste Lektion, die unsere Vorgänger gelernt haben, war das Fehlen einer globalen Plattform. So wurde 1920 der Völkerbund gegründet. Doch dieser allerersten zwischenstaatlichen Organisation ihrer Art fehlte es an Inklusivität und Universalität. Die Diplomatie wurde schließlich durch militärische Fortschritte umgangen.

Heute, im Jahr 2018, stehen wir hier am Eingang zum Gebäude der Vereinten Nationen. Wir haben die Vision unserer Vorgänger zum Leben erweckt. Das umfassendste System globaler Institutionen. Die Charta wird immer wieder von allen respektiert. Und irgendwie, trotz all dieser Errungenschaften, sind wir besorgt, und das leider zu Recht.

Die Welt schaut zu. Sie ist beispiellos miteinander verbunden. Die Menschen verfolgen alle unsere Handlungen, ebenso wie die Untätigkeit. Die Leute studieren unsere Worte sorgfältig. Und sie zu interpretieren, wie auch falsch zu interpretieren. Wir haben eine große Verantwortung, denn die Geschichte wird auch uns richten. Und das bestmögliche Urteil wird in Friedenszeiten gefällt. In Zeiten des Friedens.

Morgen setzen wir unseren interaktiven Austausch fort. Ich bin entschlossen, diese beiden Tage zu nutzen, um die Führung für unsere zukünftigen Generationen zu gestalten. Und für uns. Und noch einmal möchte ich meine Forderung wiederholen, dass der Multilateralismus der Weg ist, um einen weiteren Weltkrieg zu vermeiden und uns der Verwirklichung der Ziele der UN-Charta näher zu bringen. Denn auf der Grundlage aller Fakten, Logik und Vernunft haben wir keine andere Wahl, als nach Frieden und menschenwürdigem Leben für alle auf einem nachhaltigen Planeten zu streben.

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